Johanna Klement 
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visual artist 

 

Auf einer Bildfläche, deren Struktur an das Flimmern eines Fernsehbildschirms erinnert, gruppieren sich Menschen. Obwohl kein realer Hintergrund besteht, erlebt man durch den bewussten Einsatz perspektivischer Größendimensionen bei den Figuren die Situation als räumlich. Die Körnigkeit des Bildes wird zum Dunst oder Nebel, in dem die Menschen verschwinden, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Die Atmosphäre ist dicht, sie verbindetdie losen Einzelakteure zu einer Masse, die jedoch niemals unübersichtlich wird. Johanna Klement legt geometrische Strukturen in unterschiedlichen Farbnuancen über die Gruppierungen. Gewisse Figuren werden somit durch vertikal wie horizontal orientierte Rechtecke in Violett herausgestellt, ihr Beziehungsgeflecht unter einander wie im Scheinwerferlicht fokussiert, ihre Gemeinschaft ist aber immer zugleich von einer umfassenden Isolation getragen. Auch wenn sie sich gemeinsam in einem Feld befinden, steht jeder für sich allein, nur manche einander etwas näher als die übrigen, verbunden durch einen Zusammenhalt, der über eine teigähnliche Konsistenz verfügt.  

Die stehenden und gehenden Figuren sehen sich ähnlich, niemand ist durch besondere Merkmale gekennzeichnet, keiner positioniert sich, keiner exponiert sich. Die Gleichförmigkeitlässt das Bild einer unkritischen Masse aufsteigen. Die Figuren, die von Johanna Klement reprofotografiert wurden, bevor sie via Bildbearbeitung in die Komposition gesetzt wurden, kommen normalerweise zum Einsatz, um Architekturmodelle zu bevölkern. Sie stellen „standardisierte“ Menschen dar, verkörpern angepasste Rollenklischees, repräsentieren über das Gewand ihr Geschlecht. Männer tragen Hosen. Frauen tragen Röcke. Die Figuren, allesamt in Schwarz-Weiß gehalten, verstehen sich, so Johanna Klement, sinnbildlich als Mahnbildfür die Uniformierung in der Gesellschaft, in der Rollenstrukturen über Fernsehserien festgelegtwerden, die Leute sich freiwillig Unfreiheiten hingeben und das selbständige Denken des einzelnen zunehmend ausgeschaltet wird. Ist die Bewegung der kleinen Menschen auf dem Bild ferngesteuert? Oder liegt in der Dynamik, in der sie sich zum Horizont hin strömen, doch so etwas wie eine Aufbruchstimmung?  

Der Titel der Werkserie lässt Interpretationsspielraum: „Freiheit zur/In Isolation“. Die Atmosphäre ist gedämpft, das Violett wirkt gedrückt, hält sich bedeckt. Der Farbauftrag ist lasierend gehalten. Überschneidungen ergeben neue Nuancen, Schnittmengen werden deutlich. Johanna Klement nutzt die technischen Raffinessen des Siebdrucks, um Bildwelten zu kreieren. Der manuelle Raster erlaubt, verschiedene Ebenen zusammenzuführen, etwa in der Serie „All alone“, wo sie Porträts überformt, Menschen durchstreicht. Der Kontrast zwischen exakter Wiedergabe und freiem Gestus, zwischen Schärfe und Unschärfe, zwischen Realität und Fiktion, ist für die Künstlerin reizvoll und macht die Leidenschaft für das Drucken augenscheinlich.  

Theresia Hauenfelsveröffentlicht im Katalog „Liebe, Tod und Druckerin“, Driesch - Mimeografika 2010

 

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