Johanna Klement 
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visual artist 

 

ZARTSCHMELZEND 

Johanna Klement, Studentin bei Prof. Schenk, diplomiert an der Universität für angewandte Kunst mit einer raumfüllenden Arbeit aus Siebdrucken. Ein Kommentar von Michael Schneider  

Der Siebdruck ist wohl die flexibelste aller Drucktechniken und darum aus unserem Leben nicht wegzudenken. Der Siebdruck umgibt uns. Vom T-Shirt zum Hinweisschild, vom Feuerzeug zur Windschutzscheibe, überall ist der Siebdruck präsent. Der Siebdruck ist das perfekte Medium für die Arbeit von Johanna Klement. In ihrer Diplomarbeit formuliert sie eine ganz persönliche Medienkritik. Sie tut dies höchst politisch, ohne Zeigefinger, aber zutiefst durchdacht und nachhaltig in ihrer Wirkung. Johanna Klement führt uns zum Moment der Entfremdung von der Realität durch die Medien zurück, zeigt dieden Medien innenwohnende perfide Perfektion, mit unseren Gewohnheiten zu kooperieren, um uns mit steter Wiederholung in einem Käfig von vorgegebenen Themen zu behalten. Bewußt verweist Johanna Klement auf die von Baudrillard in den 1970ern formulierte Simulakren-Theorie. Klement lässt sich nicht vom News-Faktor, nicht von den aufwühlenden Bildern á la 9/11 blenden. In ihrer Medienkritik untersucht sie die Alltagsbilder, die von den Massenmedien tagtäglich über uns geschüttet werden. Bilder, deren Bedeutung nicht in ihrem jeweiligen Inhalt liegt, sondern deren Existenz als Gesamtheit dazu beiträgt, unsere Erwartungen zu erfüllen und uns in eine Wolke an Bildern zu hüllen, die uns heimelig und nebelig zugleich ist.


Johanna Klement verwendet Bilder aus Printmedien, isoliert sie und kombiniert sie neu. In ihrer Verwendung der Medienrealität und der daraus entstehenden Ästhetik entwickeln sich Parallelen zu Robert Rauschenberg. Wo Rauschenberg die Medienbilder zum Dokument der Zeit macht, sie verwendet als Verweis auf Themen und Stimmung einer Zeit, Bilder mit spezieller Symbolkraft verwendet, nimmt Johanna Klement Medienbilder ohne spezielle Signifikanz, zeigt sie in ihrer Austauschbarkeit. Anders als Gerhard Richter, der in seiner Malerei das veröffentlichte Foto als Zeitdokument in einen neuen Kontext bringt, benützt Johanna Klement die Mediendokumente als Beweise für die einförmige Wiederholung von Inhalten und Themen, die mit steter Hartnäckigkeit unsere Wahrnehmung blockieren. Johanna Klement hat die Medienbilder zu Gruppen auf Leinwänden geformt, sie als Einzelbild oder in Wiederholungen zufällig kombiniert, uns, ohne sinnstiftend agieren zu wollen, eine Unzahl von assoziativen Möglichkeiten geboten. Die übergroßen Leinwände bilden eine regelrechte Wand. Quer durch den Raum zieht sich diese Wand, bildet eine Ecke aus, welche die tatsächlcihe Ecke des Raumes verschwinden lässt. Die Installation von Johanna Klement stellt sich zwischen uns und unsere Raumwahrnehmung, wie sich die bedeutungslosen Bilder des Boulevards und der seichten Unterhaltung, die Produkte einer Bilder-Industrie im Nahbereich der Creative Industries zwischen uns und unsere Realitätswahrnehmung stellen.


Mit ihren eindrucksvollen Siebdrucken und ihrer Rauminstallation schafft Johanna Klement eine präzise Kombination von Thematik und eingesetztem Medium. Das McLuhansche Postulat wird hier schon im Konzept exemplarisch umgesetzt und im raumfüllenden Objekt demonstriert. In ihrer Arbeit „Zartschmelzend“ führt sie uns bittersüße, perfekte Verführung durch die medieale Belanglosigkeit vor. Ausgehend von ihrer persönlichen Betroffenheit, gelingtes Johanna Klement, unser aller Wahrnehmungsschleier für einen Moment zu lüften. Johanna Klements Diplomarbeit war im Altbau, Hörsaal 4, der Universität für angewandte Kunst zu sehen. Die Arbeiten der Diplomandinnen und Diplomanden des „Instituts für bildende und mediale Kunst“ der „Universität für angewandte Kunst Wien“ wurden vomn 17. bis zum 19. Juni 2009 im Rahmen eines Diplomrundgangs an folgenden Orten gezeigt: Universität für angewandte Kunst, Expositur Rustenschacher Allee, Expositur Vordere Zollamtstrasse, Heiligenkreuzerhof, Markthalle Wien Mitte, Das weisse Haus.

Michael Schneider,veröffentlicht im UM:DRUCK Nr. 11 Juni 2009

 

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